Metro Gallery - Zurich, Switzerland


 

                       

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19 August – 30 September 2010 
extended to 05 October 2010
Trapped
MARCK
Courtesy of LICHT FELD Gallery, Basel


Vernissage: Donnerstag, 19 August 2010 um 18h00 
 
In Anwesenheit der Künstler.



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Die Videoskulpturen des Schweizer Künstlers MARCK sind mehr als eine simple Kombination von Video und Skulptur: Sie sind die logische Folge einer intensiven Auseinandersetzung MARCKs mit Filmen und Videos, multimedialen Projekten, Perfomances, Musik und skulpturalen, kinetischen Objekten. Lange Jahre der Arbeit mit diesen Medien haben ihm ihre Grenzen und Möglichkeiten aufgezeigt und somit das Fundament für jene Werke geschaffen, die seit 2001 entstanden sind. Ausschlaggebend für die Videoskulpturen war u.a. seine Unzufriedenheit mit der langweiligen Präsentation von Filmen auf Monitoren, weshalb er schließlich begonnen hatte, diese umzubauen, um einerseits dem Medium Skulptur ihre Statik zu entziehen und andererseits dem Medium Film/Video reale Grenzen zu setzten.

Zentraler Aspekt in MARCKs Werken ist die Auseinandersetzung mit dem Menschen und seiner Gefühlswelt – die Suche nach einer Verknüpfung zwischen äusseren Einflüssen und inneren Zuständen. Seine Akteure sind immer Frauen, die sich des künstlerischen (und künstlichen) Raumes um sie herum bewusst sind und diesen mit ihrem Körper ausloten. Mitunter wirken sie eingesperrt wie in den Installationen "Frauenkiste" (2007) und "Türkisches Bad" (2009), bewegen sich auf gefährlichem Terrain wie in den Wandobjekten "Dornen" (2008) und "Sichel" (2009) oder zwischen den Elementen Wasser und Luft wie in der Installation "human air system" (2005). MARCK selbst sieht seine Werke als emotional verortete Medienskulpturen, die nicht nur physische, sondern auch psychische Grenzen ausloten. Die Frauen in MARCKs Video-Installationen sind in engen Räumen eingesperrt. Sie fungieren als Symbol für den jenen eingeschränkten, gesellschaftlichen Handlungsraum, in dem sich Frauen sehr oft wiederfinden, ebenso wie für Muster zwischengeschlechtlicher Beziehungen und Kommunikation. Die Frauen sind in ihrer Bewegung eingeschränkt, nutzen diese aber um die engen Räume, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, zu erforschen – in der Hoffnung, dass sich deren Grenzen und physische Beschränkungen durch ihre Aktionen auflösen mögen.

Die jüngste Installation des Künstlers erweitert den physischen um einen historisch-soziokulturellen Raum: In "Maria" (2009) sucht eine junge Frau das Kostüm der Heiligen Jungfrau abzulegen, sich aus ihrer beschützenden Geste und somit dem ihr anhaftenden Frauenbild zu befreien. Dennoch möchte MARCK seine Kunst nicht als Sprachrohr für typische und vermeintlich offensichtliche Frauenthemen sehen, sondern wählt die Frau als Symbol für seine gesellschaftlichen Beobachtungen. Seine Werke sollen keine Antworten geben, nicht gezielte Interpretationen zu bestimmten Themen liefern, sondern Fragen aufwerfen und Überlegungen anregen.

Die ihm zur Verfügung stehenden technischen Mittel erlauben es MARCK Grenzen der Wahrnehmung zu überschreiten. Das Video ist nicht nur überbringer einer Botschaft, einer visuellen Nachricht, sondern erhält mit dem skulpturalen Rahmen eine räumliche Dimension, die er wiederum zu durchbrechen sucht, indem er z.B. in "Dusche" (2008) Wasser aus dem Rahmen austreten, in "Sichel" (2009) ein Pendel aus dem Lichtkasten schwingen lässt oder in "Kreuz" (2009) eine gekreuzigte Frau aus Videofragmenten zusammen setzt. Zufälligkeiten lässt er dabei nicht zu, sondern baut auf exakten inhaltlichen und technischen Vorstellungen auf. Die Technik an sich steht jedoch nicht im Vordergrund, sondern ist nur Mittel zum Zweck – ein Organ für MARCKs Beobachtungen und seinen Drang, bestimmte Gefühle zu evozieren.

MARCKs Videoskulpturen und –installationen offerieren uns BetrachterInnen Möglichkeiten, unsere physischen und psychischen Einschränkungen (neu) wahrzunehmen und zu durchbrechen.


Eine Frau mit schwarzen, langen Haaren liegt auf dem Rücken in einer blau gekachelten Badewanne, die kleiner ist als sie selbst, und sieht den Betrachter zufrieden an. Sie dreht sich zunächst auf die eine Seite, dann auf die andere, dann wieder auf den Rücken, den Blick auf die Betrachterin gerichtet. Danach macht sie einen Purzelbaum, schwimmt wieder in die Ausgangsposition und schaut. Dann beginnt der ganze Bewegungsablauf als endloser Loop wieder von vorne. "Türkisches Bad" heisst diese Videoskulptur von Marck. Die Badewanne als Lebenswelt, in der es warm und gemütlich ist und die eine klar begrenzte und definierte Bewegungsfreiheit bietet. Es sind zwar vier Drehungen und gar ein Purzelbaum möglich, aber das ist auch schon das Ende der Freiheit. Die Frau im türkischen Bad wird nie aufstehen und ihre Lebenswelt (die Badewanne) verlassen.

Der Inhalt von Marcks Videoskulpturen bewegt sich immer auf einem Screen, der ursprünglich ein Röhrenmonitor oder ein LCD war. Die Hülle der Screens wird auseinander genommen, neu kreiert oder umgebaut. Wichtig dabei ist, dass die Hülle immer dem Inhalt entspricht und somit selbst zu einer

Aussage wird. In der "Frauenkiste" beispielsweise wurden die Monitore zu einer Kiste umgebaut, in der eine Frau eingeschlossen ist. Marcks Videoskulpturen zeigen, wie ein Mann Frauenwelten und Beziehungsmuster zwischen Männern und Frauen sieht und reflektiert. Der Mann schliesst Frauen in Kisten ein oder legt sie in Badewannen, worin sich die Frauen einrichten in der Hoffnung, dass sich die Hülle beziehungsweise Lebenswelt um sie herum vielleicht einmal auflösen wird - ohne ihr eigenes Dazutun.

An Marcks Videoskulpturen gibt es nichts Ungeplantes oder Zufälliges. Zuerst hat er eine Vorstellung vom Inhalt der Skulptur, dann beginnt er mit der Konstruktion. Es geht ihm also nicht um Spielerei mit der Technik selbst, sondern die Elektronik wird Mittel zum Zweck, sprich: Überbringerin des Inhaltes. Genauso ist es mit der Hülle, mit der Verpackung des Inhaltes. Marck hat in den 90er Jahren für Zürcher Clubs Videoinstallationen hergestellt. Der Inhalt der Installationen wurde für ihn nach kurzer Zeit selbst starr und langweilig. Die Suche nach Auflösung der Grenze zwischen Inhalt und Hülle begann. Mittlerweile hat er die Grenzen zwischen Inhalt und Medium gesprengt. Das Medium, die Hülle der Skulptur, ist selbst Inhalt und Aussage geworden.

Vertreten wird Marck durch die Galerien Lichtfeld in Basel Seit 2004 sind die Skulpturen u.a. mit der Kunstmesse Scope weltweit auf Reisen. Stationen waren New York, Miami, Istanbul, Basel, London und die Ars Electronica in Linz. Sehen kann man Marcks Skulpturen in der Krupp Sammlung im Bosten Museum in den USA, im Grande Finale Museum in Frankreich, im Dosan Artcenter in Korea oder im Artcenter Borusan in Istanbul. Und die Videoskulpturen stehen neben Installationen von Nam June Paik bei diversen privaten Sammlern zu Hause.

Die Auseinandersetzung mit Marcks Videoskulpturen erhält mit dem Kauf eine weitere Dimension. Ab diesem Zeitpunkt hat der Besitzer etwa 15 Jahre Zeit, um eine Entscheidung zu fällen. Der Screen wird nach dem Kauf für etwa 15 Jahre laufen, bevor ein Teil repariert werden muss. Es liegt also in den Händen des Käufers, ob er die Frau für weitere 15 Jahre in der Badewanne schwimmen lässt…


 

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