Metro Gallery - Zurich, Switzerland


 

                       

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26 November 2015
The Main Attraction
Rico & Michael
featuring Dianne Brill
sculptures, comics and live show




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“Dianne and the Brhoes”, 2015, comics, story by Rico & Michael, illustrated by Caspar Schmidlin

ARTIST STATEMENT

„THE MAIN ATTRACTION“ by Rico & Michael featuring Dianne Brill

„If you went to a party and Dianne Brill was there, you were at the right party“,

sagte Mick Jagger über Dianne Brill. Andy Warhol nannte sie „New York‘s Queen of the Night“ und Thierry Mugler entwarf Kleider nach dem Vorbild ihrer Silhouette. Brill ist eine Meisterin der gekonnten Selbstinszenierung und Selbstvermarktung, wobei man ihr inszeniertes Selbst leicht mit dem einer energiegeladenen, campy Bombshell beschreiben könnte - ameikanisches Stardom in seiner reinsten Form. Doch als Vorreiterin der New Yorker Underground- Clubszene hatte sie einen anderen, reflektierteren Zugang zu den Mechanismen der Celebrity- Kultur. Sie ist sich ihrer eigenen Bildhaftigkeit stets bewusst, hat ihren Look so verfeinert und ihr Auftreten so weit professionalisiert, dass der Auftritt selbst zum Zentrum ihres öffentlichen Selbst geworden, ihr geradezu in den Körper übergegangen ist. Sie ist reiner, lustvoller Auftritt, Performance, und füllt jeden Raum den sie betritt mit einem Versprechen auf Aussergewöhliches und Befreiendes, welches da jederzeit passieren möge. Deshalb kann sich ihre Präsenz am besten an der Party, im Club, entfalten, jener verheissungsvollen, nächtlichen Stätte von welcher man sich verspricht die Eintönigkeit des Tages vergessen zu machen und von welcher man die Befriedigung allerlei körperlicher oder emotionaler Bedürfnisse erwartet.

Der Club bildet denn auch den Rahmen für die Arbeit „The Main Attraction“ des Künstler-duosRico & Michael, in welcher die befreundete Dianne Brill auftritt. Zentrales Motiv in der Zusammenarbeit der beiden Künstler ist die Frage, wie die Selbstkonzepte verschiedener Menschen oder Gruppen konstruiert sind und wie sich diese zum Selbstverständnis des gesellschaftlichen Kollektivs verhalten. Von grossen Ideologien und festen sozialen Zugehörigkeiten weitgehend befreit und befeuert durch die ständig verfügbaren technischen Möglichkeiten zur Produktion und Präsentation eigener Abbilder, ist der Wunsch (oder sogar: die Forderung), nach einem möglichst hohen Mass an Einzigartigkeit des Selbst so gross wie nie zuvor. Diese Einzigartigkeit zu inszenieren oder sogar zu vermarkten ist zu einem wichtigen Akt der Selbstbestimmung geworden und der zentrale Ort der Postmoderne dafür ist der Club. Entstanden in der Disco- und frühen Houseära der 1970/80er- Jahre verspricht dieser nämlich einen gesellschaftlichen Freiraum, in dem man sich ausleben kann, wie man will, eingeladen ist, ungeachtet von Herkunft oder Gender seinen Individualismus zu zelebrieren und in Szene zu setzen. Ein Ruf, der bis heute andauert und den Persönlichkeiten wie Dianne Brill entscheidend mitgeprägt haben. Es überrascht nicht, dass sich ein solch verführerischer Ruf leicht für wirtschaftliche Zwecke nutzen lässt und bald zu einem Grundstein der kommerziellen Massenfreizeitgestaltung wurde. Der Begriff „Club“ bezeichnet, vor allem im Englischen, auch eine Gemeinschaft, welche nicht Eingeweihten den Zutritt verwehren kann. Die Clubbingkultur funktionierte schon immer auch durch Ausschluss: Durch Türsteher, Nebeneingänge, Memberships, Mottos oder geheime Parties in Kellern, zu welchen man nur über besondere Beziehungen Zutritt hat. Vielen Clubs pflegten und pflegen ihr Image als legendär und wild zu gelten, binden eine treue Stammkundschaft besonderer Individuen an sich, welche sich im Kreise gegenseitig ihre Einzigartigkeit bestätigen. Der Wunsch, an einen solchen Ort einge-lassen zu werden und teilnehmen zu können, bestärkt nur noch den Wert des Clubs - jeder will Teil davon sein. Dieses Paradox des Clubs als gehütete Stätte des gefeierten Individualismus unter Gleichgesinnten auf der eine Seite und der „yolo“- Massenkultur auf der anderen deutet auf einen Konflikt hin, der auch in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens schwelt: Was als Subkultur inszeniert ist, wird in einer Gesellschaft, deren Dogma „be yourself“ heisst und jeden individualistischen, authentischen Lebenstil begehrt, sofort von der Masse erkannt, vereinnahmt und kommerzialisiert. Die lange Zeit so klar erscheinende Polarität der des Mainstreams und des Individualismus hat sich aufgelöst und ist übergegangen in das Paradox eines kollektiven Individualismus. Lässt sich da noch ein singuläres, authentisches Selbst inszenieren und vermarkten? Und hat der Club als Stätte der Selbstanpreisung ausgedient? Das Projekt „The Main Atrraction“ geht solchen Fragen nach, beschäftigt sich mit Strategien der Selbstinszenierung und -vermarktung. Dianne Brill und die Künstler Rico & Michael treten darin als Figuren auf, in einem Comic, als Skulpturen aus dem 3D- Printer und in einer Live- Show. Alle drei Arbeiten werden im Club Zukunft während eines einmaligen Abends präsentiert.

 





 

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